Heinz Angehrn

28.10. 3.Teil

Unserer heutigen Begegnung liegt eine sehr konkrete Sehnsucht zugrunde, etwas, das jeder Vater, jede Mutter für die eigenen Kinder will; etwas, das eigentlich allen zugänglich sein müsste, aber – wie wir heute traurigerweise sehen – für viele Menschen in weite Ferne gerückt ist: Boden, Wohnung und Arbeit. Es ist schon merkwürdig, aber wenn ich davon rede, halten manche den Papst für einen Kommunisten. Man versteht nicht, dass die Liebe zu den Armen im Zentrum des Evangeliums steht. Boden, Wohnung und Arbeit – das, wofür ihr kämpft, sind sakrosankte Rechte. Das zu fordern, ist keineswegs merkwürdig: es entspricht der Soziallehre der Kirche. Ich möchte nun auf jedes dieser Rechte kurz eingehen, weil ihr sie als Motto für diese Begegnung gewählt habt.
Boden. Am Anfang der Schöpfung hat Gott den Menschen zum Hüter seines Werkes gemacht und ihm die Aufgabe anvertraut, es zu bearbeiten und zu bewahren. Ich sehe hier Dutzende von Bauern und Bäuerinnen, und ich danke ihnen und freue mich, dass sie den Boden bewahren, dass sie ihn bebauen und dass sie das in Gemeinschaft tun. Die Entwurzelung vieler unserer Brüder und Schwestern, die Bauern sind, und die gerade deswegen leiden, und nicht wegen der Kriege oder Naturkatastrophen, macht mir Sorgen. Der Aufkauf von Boden, das Abholzen der Wälder, die Aneignung des Wassers, die unangemessenen Pestizide sind einige der Übel, die den Menschen von seinem Heimatboden vertreiben. Diese schmerzliche Trennung ist nicht nur physischer, sondern auch existenzieller und spiritueller Art, weil es eine Beziehung zum Boden gibt, die die Bauern und ihren besonderen Lebensstil immer mehr der Dekadenz preisgibt, ja sie vielleicht sogar zum Aussterben verurteilt.

19. Dezember 2014 | 07:30
von Heinz Angehrn
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