Heinz Angehrn

1989 und die Folgen

Der Tod meiner Mutter anfangs November hat es mir unmöglich gemacht, zum exakt richtigen Zeitpunkt eine kleine Reihe zu schreiben. Nun fühle ich mich fit genug, dies nachzuholen. «1989 und die Folgen» so der Titel.
Es war ein kühler Abend im November 89. So um 22.00 Uhr schloss ich unseren Jugendtreffpunkt, das «Paradiesli». Wie immer in der kalten Jahreszeit war es sehr belebt zu und her gegangen. Tischtennis, Töggele und Billard waren die Renner, meine Aufsichtspflichten in Anbetracht des Rauch- und Alhokolverbots immer etwas stressig. Ich freute mich auf eine friedliche Stunde für mich allein vor dem Fernseher. Die ARD-»Tagesthemen» waren um diese Zeit meine Hauptinformationsquelle, die Schweizer Nachrichten schaute ich wegen Provinzialität nur selten.Nun an diesem Abend war alles anders. Kaum den Kanal eingeschaltet realisierte ich, dass Gewaltiges im Gange war. Und meine Start-Verwirrung nahm beim schnellen Umherzappen noch zu. Alle Fernsehkanäle, auch CBS, berichteten über ein und das selbe Ereignis in Berlin. Ein unglaubliches Ereignis. Wenn ich nicht die Live-Bilder gesehen, die ersten Interviews gehört hätte, ich hätte es nicht geglaubt.Ich sass direkt vor den Fernseher auf dem Teppich. Sass stundenlang, schaute, hörte, schaute hörte, bis nachts um Zwei. Etwa um 23.00 Uhr öffnete ich eine Flasche Rotwein. Am anderen Morgen war sie leer. Ich sass da, zunächst doof und dumm, dann immer aufgeregter. Und ich begriff: Eine Aera war vorbei. Alles, was bis jetzt gegolten hatte, galt vom nächsten Tag an nicht mehr. Ich verstand Stephen Kings Standartausdruck nie so gut wie an dem Abend: Die Welt hatte sich gedreht!

11. Dezember 2009 | 11:34
von Heinz Angehrn
Lesezeit : ca. 1  Min.
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