1968
Mario von Galli und der kirchliche GehorsamSchon 1968 hat der bekannte Jesuit auf dem dt. Katholikentag in seiner hier bereits zitierten Rede über den kirchlichen Gehorsam gesprochen.Bevor ich den Text zitiere, eine bekannte Anekdote: Als er von den Nazis ausgewiesen wurde, sagte der Beamte an der Grenze, er sei «auf Lebenszeit» ausgewiesen. Kaum hatte er den sichern Schweizer Boden betreten, dreht von Galli sich um und fragte: «Auf wessen Lebenszeit?»
Und hier ein letzter Textabschnitt aus seiner Rede:»Es sei etwa auf das päpstliche Rundschreiben «Humanae vitae» hingewiesen, über die erlaubten und unerlaubten Mittel der Geburtenbeschränkung. Es beunruhigt dadurch, dass viele glauben, es harmoniere nicht mit ihrem Gewissensentscheid. Die letztentscheidende Funktion des Gewissens, das sich mit einem bloßen Gehorsamsakt, der rein äußerlich vollzogen würde, nicht mehr zufriedengibt, ist aber ein Moment der heutigen Welt. Sie hängt mit dem weltweit hellwach gewordenen Selbstbewusstsein und der Verantwortung der heutigen Menschen zusammen. Diese Entwicklung hat die Kirche begrüßt. Sie bedeutet ein Zeichen der Gegenwart Gottes in der Welt, wie das Konzil sagt.
Es kann sein, dass im Sinne der Führung des Heiligen Geistes bei diesem Rundschreiben die Klärung der Frage ist: Wie stehen wir zu der und was bedeutet uns die kirchliche Autorität. Was ist das, der Gehorsam erwachsener Menschen? Ist er vielleicht identisch mit der Freiheit der Kinder Gottes? Sie gehorchen, weil sie aus innerem Sachverstand das Richtige des Befehls sehen, oder wo nicht, eben ins Gespräch mit dem Befehlenden, der ja eine dienende Autorität ist, eintreten. Doch das zu behandeln, würde den Rahmen dieser Stunde sprengen.»
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