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1914 – die erste traurige Kriegsweihnacht

Yves Congar, geboren am 8. April 1904 in der französischen Stadt in Sedan im Norden Frankreichs und im Kardinalsrang am 22. Juni 1995 in Paris gestorben, erlebte, wie seine Heimatstadt im August 1914 von deutschen Truppen erobert wurde und bis zum Waffenstillstand 1918 besetzt blieb. Während des Krieges wurde sein Vater, ein wohlhabender Tuchhändler, als Zwangsarbeiter nach Deutschland deportiert.
Seit Beginn des Krieges führte der zehnjährige Yves ein Tagebuch. Im August 1914 wurde Sedan eingenommen und ein Offizier in der Wohnung der Congars einquartiert (vgl. auch Konzilsblog vom 7. September 2014). Das Weihnachtsfest 1914 war für die Familie Congar, ja für die ganze Bevölkerung der kriegführenden Staaten, die bereits viele Verluste zu verzeichnen hatte, äusserst traurig. Die allgemeine Ansicht vom Sommer 1914, dass der Krieg kurz – und schmerzlos, müsste man beifügen – sein werde und an Weihnachten 1914 alles vorüber sei, bewahrheitete sich nicht. Aus dem Bewegungskrieg entwickelte sich an der Westfront ein vierjähriger verlustreicher Stellungskrieg, dessen Kilometer «0» an der trinationalen Grenze Frankreich – Schweiz – Deutschland beim Punkt Le Largin im schweizerischen Pruntruterzipfel lag.
Auch für die neutrale Schweiz war Weihnachten 1914 ein trauriges Fest. Von den 100›000 Soldaten an der Grenze und in den Fortifikationen Murten und Hauenstein waren die meisten erstmals lange weg von zuhause. Ihre Arbeitskraft fehlte, Erwerbsersatz gab es noch nicht, so dass die Frauen die Hauptarbeit leisten mussten, während die Soldaten den eher langweiligen Wachtdienst leisten musste.
An vielen Orten der Kriegsfront ging es am Heiligabend 1914 friedlich zu. Im Largzipfel bei Pruntrut veranstalteten Schweizer Soldaten ein kleines Weihnachtskonzert. Engländer und Deutsche stiegen aus den Schützengräben und tranken gemeinsam Wein. An einzelnen Orten an der Kriegsfront wurde sogar Fussball gespielt. Das Weihnachtsfest 1914 sollte für viele Soldaten das letzte sein. Bis 1918 verloren gegen 10 Millionen Männer ihr Leben.
(ufw; vgl. http://www.14-tagebuecher.de/page/de/timeline/yves-congar/ Das Museum der Kulturen in Basel zeigt bis zum 11. Jan. 2015 die Ausstellung «Traurige Weihnachten»: www.mkb.ch; der Militärhistoriker Markus Pöhlmann legt in der NZZ vom 23. Dezember 2014 auf S. 6 instruktiv dar, dass ein Hauptgrund für den «Weihnachtsfrieden» nicht die Rückbesinnung auf Spiritualität war, sondern der Mangel an körperlicher und geistiger Kraft und die fehlenden militärischen Mittel im harten Winter, ohne Unterbruch Krieg zu führen.)

24. Dezember 2014 | 00:29
von Konzilsblogteam
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